Die Rose im Sand … – Impuls 5 – 2016

Claudia VelzImpulse (Blog)1 Comment

eine Abschiedsrose ...

eine Abschiedsrose …

Eine rote Rose im Sand … sie liegt da, völlig unerwartet … wer hat sie dort gelassen? Die Wellen haben sie an den Strand zurückgespült. Wem war sie ein Gruß?

Mein Gefühl sagt mir, dass sie eine Abschiedsrose ist. Abschiede haben auch meine letzten Monate begleitet. Mein Sohn hat seine Oma verloren und ich habe im Dezember kurz vor Weihnachten einen jungen, lebensfrohen Vetter verloren.

Wir hatten kaum Kontakt und so kann ich nicht sagen, dass er in meinem Leben eine große Lücke hinterlässt. Aber ich erinnere mich genau an unsere letzte Begegnung und an seine ehrlich interessierte Frage: „Wie geht es dir?“ Ich habe an seinem Blick gesehen, dass es keine rhetorische Frage war, sondern ein offenes „was gibt es Neues bei dir?“ Mein Partner und meine Freundinnen wissen, dass es bei mir jede Woche so viele Neuigkeiten gibt, dass ich stundenlang erzählen und mich mitteilen könnte. Das habe ich meinem Vetter aber nicht zugemutet, sondern ihm eine abgespeckte Kurzversion dessen erzählt, was gerade am wichtigsten war. Waren es mehr als drei Sätze? Ich glaube nicht. Es war auch nicht wichtig. Wichtig war das kurze Gefühl der Verbundenheit, welches gerade dadurch entstand, dass wir beide diese großen Smalltalk Unterhaltungen nicht suchten und an dem Abend nicht brauchten. Wir haben uns einfach gefühlt.

Und dann stand ich bei der Beerdigung ganz hinten in der Kirche und hatte das große Glück, genau dort einen Trauernden neben mir stehen zu haben, dem ich mit Papiertaschentüchern aushelfen durfte. Er gehörte nicht zur Familie und ich war ein wenig überrascht zu sehen, wie nah dieser Mann meinem Vetter stand. Es war ein solch warmes, liebevolles Gefühl zu spüren, dass er (und viele andere) aus tiefem Herzen um den Verlust meines Vetters weinten. Und dieses warme und liebevolle Gefühl begleitete mich mit auf den Friedhof.

Und ich flüsterte meinem Bruder ins Ohr: Es ist ganz egal, wo wir eine Lücke hinterlassen, Hauptsache wir hinterlassen eine. 

Und dieses warme und liebevolle Gefühl begleitet mich, wann immer ich an meinen Vetter denke. 

Und dieses warme und liebevolle Gefühl kam hoch, als ich die rote Rose im Sand liegen sah …

Eine Abschiedsrose für dich, Walter.

 

One Comment on “Die Rose im Sand … – Impuls 5 – 2016”

  1. Hallo Claudia,
    es ist eine schöne Erkenntnis: es ist ganz egal, wo wir eine Lücke hinterlassen, hauptsache, wir hinterlassen eine.
    Und wenn die Lücke negativ war ist es an uns, es besser zu machen.

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